In der letzten Märzwoche findet die LGBT Health Awareness Week statt – die Woche zur Sichtbarkeit bzw. Sichtbarmachung der Gesundheit von LSBTI. Die Woche soll die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass LSBTI ein viel höheres Risiko für schlechte physische und psychische Gesundheit haben als heterosexuelle und Cis-Menschen. Zudem erfahren sie häufig Diskriminierungen im Gesundheitssystem. Erst im Februar wurde das Thema LSBTI-Gesundheit im Rahmen eines Wochenberichts des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aufgegriffen und unter dem Titel “Geringere Chancen auf ein gesundes Leben für LGBTQI*-Menschen” veröffentlicht. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die deutlichen Unterschiede bei psychischen und möglicherweise stressbedingten körperlichen Krankheiten auf große Belastungen im alltäglichen Leben von LGBTQI*-Menschen schließen lassen. Dies deute darauf hin, dass – obwohl die gesetzlichen Veränderungen in den letzten Jahren positiv zu bewerten seien – sie das Erbe jahrelanger gesellschaftlicher und institutioneller Diskriminierung nicht ohne Weiteres aufheben konnten. Dies gelte besonders für Trans*Personen, die nach der heutigen Gesetzeslage eine psychiatrische Diagnose brauchen, um geschlechtsangleichende Maßnahmen ergreifen zu können. Ihre Identität würde damit per se als krank bewertet, also noch immer pathologisiert.

Alexander Vogt, Bundesvorsitzender der LSU sagt dazu: “Transidente und intergeschlechtliche Menschen machen häufig stigmatisierende und traumatisierende Erfahrungen im Gesundheitssystem. Das schränkt ihren Zugang zur Gesundheitsversorgung stark ein, weshalb viele ärztliche Kontakte und Wege zu Gesundheitsversorgern meiden.” Einer letztes Jahr durchgeführten Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zufolge gaben sogar in der aktuellen Pandemie-Situation knapp ein Fünftel der befragten Trans* Personen an, dass sie aus Angst vor Diskriminierung einen Corona-Test vermieden hätten oder vermeiden würden. “Das zeigt, dass aufgrund von früheren Diskriminierungserfahrungen selbst in der größten Gesundheitskrise nicht mehr Vertrauen vorhanden ist als sonst und das in einer Ausnahmesituation, in der es mehr denn je darauf ankommt Versorgungsangebote zu nutzen, um die eigene Gesundheit zu erhalten”, macht Thomas W. Schmitt, Ansprechpartner für gesundheitspolitische Themen beim LSU Bundesverband die erschwerte Lage von Trans*Personen deutlich.

“Mit Blick auf die Gesundheitsversorgung und -Förderung von LSBTI bedarf es vor allem noch einer gezielteren Aufklärung im Rahmen der therapeutischen, ärztlichen und zahnärztlichen Aus- und Weiterbildung und der von sonstigem medizinischem und pflegerischem Fachpersonal. Es geht auch um eine Sensibilisierung des Personals in Einrichtungen wie Pflegeheimen und sonstigen Gesundheitseinrichtungen. Vor allem auf der Ebene des Versorgungssystems müssen strukturelle, organisatorische und regionale Zugangsbarrieren für LSBTI weiter abgebaut werden. Speziell mit Blick auf Trans*Personen könnte zum Beispiel das vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschuss betreute und geförderte E-Health-Projekt ‘i2transhealth’ als internetbasierte Gesundheitsförderung auf alle Regionen in Deutschland ausgeweitet werden. Bislang gibt es dies nur in Norddeutschland. Ziel muss am Ende die Gewährleistung einer flächendeckenden Versorgung von Trans*Personen im Gesundheitssystem sein – internetbasiert oder durch andere Zugänge”, bekräftigen Vogt und Schmitt abschließend.