Die Akzeptanz und Sichtbarkeit der unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten in Städten und Gemeinden rückt in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus kommunal- und stadtpolitischer Aufgaben. Bundesweit gibt es derzeit mehr als 25 hauptamtliche Queer- oder LSBTIQ-Beauftragte, die an der Schnittstelle zwischen Verwaltung, Stadt- bzw. Gemeinderat und LSBTIQ-Community arbeiten. Darüber hinaus gibt es in manchen Städten wie zum Beispiel in Koblenz auch Beauftragte auf ehrenamtlicher Basis. Oftmals sind sie als Koordinatoren und Ansprechpersonen nicht nur für Antidiskriminierungsarbeit und die CSD-Organisation zuständig, sondern auch als Anlauf- und Beratungsstelle für LSBTIQ-Beschäftigte in der Verwaltung tätig oder werden aktiv in die städtische Jugend- und Sozialarbeit eingebunden und bei Beschlüssen im Stadtrat, welche die Community bzw. LSBTIQ-Themen betreffen angehört.

“Gerade letzteres ist zu einem wichtige Punkt geworden, wenn wir zum Beispiel sehen, dass in den Lockdown-Phasen während der Corona-Pandemie Teile der Infrastruktur der LSBTIQ-Community von Schließungen und finanziellen Einbußen betroffen waren, darunter Treffpunkte, Beratungsstellen, die Bar- und Gastroszene, aber auch Veranstaltungen rund um den IDAHOBIT am 17. Mai, den CSDs oder auch zu anderen Anlässen. Vor allem die sozialen Angebote sind für junge LSBTIQ wichtig, damit sie in einer immer noch alles andere als diskriminierungsfreien Gesellschaft ihre Identität festigen und selbstbewusst durchs Leben gehen können. Da ist es gut, wenn jemand bei der Stadt arbeitet, der sich in deren Situation hineinversetzen kann und die Entscheider*innen in den Ämtern und im Stadtrat dafür gezielt sensibilisiert und Bewusstsein für vorhandene Bedürfnisse und Probleme schafft”, erklärt Thomas W. Schmitt, Bundespressesprecher der LSU und Koordinator der LSU-internen AG “Respekt und Akzeptanz”, die sich im Rahmen eines Dialog-Prozesses derzeit mit der Frage “Queer-Beauftragte(r) – Brauchen wir eine(n) in jeder Stadt? auseinandersetzt.

Bei einem Auftaktgespräch waren dazu vor wenigen Tagen Stefan Kräh von der LSBT*IQ-Koordinierungsstelle der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden sowie Chantal Münster von der Landesarbeitsgemeinschaft LAG queerGrün Berlin aus Marzahn-Hellersdorf zu Gast. Miriam Kempte, Vorstandsmitglied des LSU Kreisverbands Wiesbaden fasst zusammen: “Beide haben uns überzeugende Argumente geliefert, weshalb es besser ist zentrale Ansprechpartner*innen und Koordinator*innen an der Schnittstelle zwischen Verwaltung, Politik und LSBTIQ-Community in einer Stadt zu haben. Nach dem Gespräch sind wir uns einig, dass Queer-Beauftragte als zentrale Akteure die vorhandenen Bedürfnisse, Probleme und Anliegen viel gezielter und besser zwischen Verwaltung, Rat und Community vermitteln und übersetzen können, als wenn externe Akteure und Organisationen bloß nach Bedarf konsultiert werden. Das schafft eine ganz andere Nähe und Vertrauen zueinander.” Das sieht auch Thomas W. Schmitt so, der nach dem Votum seines Landesvorstands der LSU Saar Anfang Juli eher eine stärkere Beteiligung von LSBTIQ-Organisationen und Akteuren statt der Einrichtung einer Stelle einer/eines Queer-Beauftragten für Saarbrücken vertreten hat, auch deshalb weil es im Saarland mit dem LSVD-Landesverband eine starke Organisation gibt, die bereits regelmäßig auf politischer Ebene in Stadt und Land eingebunden wird. “Ich lasse mich gerne auch vom Gegenteil überzeugen. Persönlich gehe ich offen an die Frage heran und wie unser Auftaktgespräch gezeigt hat, gibt es gewichtige Argumente für Queer-Beauftragte”, sagt er abschließend und weist darauf hin: “Auch für Saarbrücken liegen ja noch alle Karten auf der Hand.”