Mit großer Bestürzung und Trauer haben wir erfahren, dass Manfred Bruns heute im Alter von 85 Jahren von uns gegangen ist.

Über Jahrzehnte war er einer der maßgeblichen Motoren für die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*identen und intergeschlechtlichen Menschen. Er gilt als einer der Väter der Lebenspartnerschaft und der Eheöffnung und durfte 2017 noch erleben, dass endlich auch nicht-heterosexuellen Menschen der Weg in die Ehe offenstand. Sein Kampf gegen den ehemaligen Paragrafen 175 StGB und sein unermüdlicher Einsatz für dessen Opfer werden wir nicht vergessen.

Ansprechpartner für viele Ratsuchende

Er war Ansprechpartner für viele Rat- und Hilfesuchende, die er beim LSVD in ehe- und familienrechtlichen Fragen, in Asylfragen und vielem mehr geduldig und fundiert beriet. Er war lange Zeit Bundessprecher des LSVD und trat auch als Rechtsexperte bei unzähligen Anhörungen im Bundestag in Erscheinung. Seine Mitwirkung beim Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz und vielen anderen gleichstellungspolitischen Rechtsthemen hat in unserer Rechtsprechung Spuren hinterlassen, die ihn überdauern werden und für die wir ihm dankbar sind.

Die Verleihung des “Verdienstkreuzes Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland” und des “Preises für das Engagement gegen Diskriminierung” der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, sowie der “Magnus-Hirschfeld-Medaille” für besondere Verdienste um die Sexualreform oder der “Kompassnadel” des Schwulen Netzwerks NRW und viele Ehrungen mehr machten schon zu seinen Lebzeiten deutlich, wie wichtig Manfred Bruns für die Emanzipation von LSBTI war – und wie sehr man ihm dafür dankbar war.

Sein schelmischer rheinischer Humor war legendär

Besonders erinnern wir uns daran, dass er auf Empfehlung der LSU 2016 zum ersten Mal im Rahmen eines Seminars der Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung als Referent eingeladen wurde, um über die politische Entwicklung der Gleichstellung in Deutschland zu sprechen. Obwohl er zu dem Zeitpunkt nur noch selten reiste, ließ er es sich nicht nehmen, von Karlsruhe nach Königswinter zu kommen.

Manfred Bruns hinterlässt eine große Lücke. Sein schelmischer rheinischer Humor war legendär, und manch angespannte Situationen konnte er damit entschärfen. Auch das wird fehlen.

Wir trauern mit der ganzen Community und unseren Freundinnen und Freunden beim LSVD. Unser besonderes Mitgefühl gilt vor allem seinem Lebensgefährten und seiner Familie.