Anlässlich des Welttags der Blutspende am 14. Juni erklärt der Vorsitzende des Bundesverbands Lesben und Schwule in der Union (LSU) Alexander Vogt: “Nach der Richtlinie der Bundesärztekammer dürfen homo- und transsexuelle Personen nur Blut spenden, wenn sie ein Jahr lang keinen Geschlechtsverkehr hatten. Dieser faktische Ausschluss von der Blutspende geht mit einem hohen Diskriminierungspotenzial einher. Die derzeit erforderliche Wartezeit von zwölf Monaten seit dem letzten Geschlechtsverkehr ist fern jeder Lebensrealität und selbst für monogam und weitgehend enthaltsam lebende Menschen kaum zu erfüllen. Das wird jedem klar, der sich das für sich selbst vorstellt. Zudem geht die Wartezeit weit über die medizinische Notwendigkeit hinaus. Andere europäische Länder sehen bereits seit langem kürzere Rückstellungsfristen bei gleicher Gewährleistung der medizinischen Sicherheit vor.”

Die Bundesärztekammer soll aufhören, bestimmte Gruppen pauschal von der Spende auszuschließen.

Vogt kritisiert scharf: “Die Bundesärztekammer soll aufhören, bestimmte Gruppen pauschal von der Spende auszuschließen. Dass sie Menschen aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität ein bestimmtes Risikoverhalten automatisch zuschreibt, ist in höchstem Maße diskriminierend. Entscheidend für die Blutspende muss das individuelle Risikoverhalten der potenziellen Spenderinnen und Spender sein, nicht ihre sexuelle oder geschlechtliche Identität. Die mit der Richtlinie praktizierte pauschale Zuschreibung eines Risikoverhaltens geht gar nicht!”

Bei einer Anhörung des Ausschusses für Gesundheit im Deutschen Bundestag im März hat die Bundesärztekammer eine schriftliche Stellungnahme zu entsprechenden Anträgen zweier Oppositionsfraktionen vorgebracht, in der es heißt: “Es ist somit ein unglückliches Missverständnis, wenn auf eine Person bezogene, verhaltensassoziierte, epidemiologisch begründete Infektionsrisiken (hier: „Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben“) fälschlicherweise mit einem gruppenbezogenen Ausschluss infolge der sexuellen Orientierung (z. B. Bisexualität, Homosexualität) verwechselt werden.”

Die Bundesärztekammer verwendet eindeutig gruppenbezogene Kategorisierungen und Merkmale in ihrer Richtlinie und will diese nun personenbezogen verstanden wissen? Das ist blanker Unsinn!

Vogt macht abschließend deutlich: “Alleine dieser Satz offenbart die vorherrschende Ignoranz der Bundesärztekammer bei der Umsetzung einer diskriminierungsfreien Blutspende. Sie verwendet eindeutig gruppenbezogene Kategorisierungen und Merkmale in ihrer Richtlinie und will diese nun personenbezogen verstanden wissen? Das ist blanker Unsinn!”

“Als LSU haben wir vor einem halben Jahr zusammen mit dem Bundesverband SPDqueer ein offizielles Schreiben an den Präsidenten der zuständigen Bundesärztekammer gerichtet und konkrete Änderungsvorschläge für den Richtlinientext unterbreitet. Wir haben uns damit ganz bewusst sachlich und konstruktiv um eine diskriminierungsfreie Regelung bemüht. Dass man mit uns bis heute in keinen ebenso konstruktiven Dialog im Sinne einer guten Regelung getreten ist bestätigt das Desinteresse an einem Fortschritt in der Sache und lässt uns enttäuscht zurück. Wir hätten einen professionelleren Umgang von der Bundesärztekammer erwartet. Im Interesse der Betroffenen ist unsere Tür dennoch weiter offen für eine konstruktive Lösungsfindung.”