Am Donnerstag, 18. Juni 2009, feierten die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) mit rund 300 Mitgliedern, Freunden und Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Szene ihren inzwischen 5. Jahresempfang als Sommerfest in der Sächsischen Landesvertretung in Berlin.
Erstmals hielt der Generalsekretär der CDU Deutschlands, Ronald Pofalla, ein persönliches Grußwort auf einem Jahresempfang der LSU. Pofalla überbrachte die „herzlichen Grüße“ der Bundeskanzlerin, die an diesem Abend auf dem EU-Rat in Brüssel weilte. Angela Merkel sei froh, „daß wir zur CDU gehörten“. Pofalla sprach der LSU Lob und Anerkennung für die geleistete Arbeit der vergangenen Jahre aus und betonte die Wichtigkeit der LSU innerhalb der großen Volkspartei CDU. Er sicherte dem LSU-Bundesvorsitzenden seine Unterstützung zu, denn, so Pofalla wörtlich: „Die CDU braucht die LSU!“.

Einen Tag nach dem 17. Juni (dem früheren Tag der deutschen Einheit in Anerkennung des Volksaufstandes in der DDR gegen das SED-Regime) und vor dem Hintergrund des Jubiläumsjahres „20 Jahre Friedliche Revolution“ ging die Sächsische Ausländerbeauftragte, Friederike de Haas, in ihrem Festvortrag auch auf die Unterdrückung und Verfolgung von Homosexuellen in der DDR ein. In ihrer mit lang anhaltendem Applaus gewürdigten Rede griff Frau de Haas das Schicksal des wegen seiner Homosexualität im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen inhaftierten Mario Röllig auf, beleuchtete aber auch aktuelle Probleme sowohl mit Rechtsradikalen als auch mit Evangelikalen. Frau de Haas kritisierte die weit verbreite Homophobie an Schulen und in der Einwanderergesellschaft. Insbesondere männliche, muslimische Jugendliche hätten eine ausgesprochene Abneigung gegenüber Lesben und Schwulen.

Der LSU-Bundesvorsitzende Reinhard Thole freute sich sehr über den Besuch des CDU-Generalsekretärs. In seiner Ansprache bilanzierte er das vergangene Jahr und die vielfältigen Aktionen der LSU bei der Hinwirkung auf Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern in der Gesellschaft. Er mahnte an, daß die LSU auch weiterhin unbeirrt für die Gleichstellung von Lebenspartnerschaften mit Ehen in allen Lebensbereichen eintritt. Thole beschäftigte sich auch mit dem Thema „Homosexualität und Islam“ und unterstrich, daß das LSU-Grundsatzpapier „Keine Toleranz mit Intoleranten“ nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat, wie leider erst die letzten gewalttätigen Übergriffe gegenüber Homosexuellen in Berlin gezeigt haben. Abschließend befaßte sich der LSU-Bundesvorsitzende angesichts weiter steigender Infektionszahlen mit dem Thema „HIV und AIDS“ und appellierte an das Publikum, die aktuellen Befunde nicht zu verharmlosen. Als Reaktion fordert die LSU einen Runden Tisch „HIV/AIDS-Pävention“, der vom Gesundheitsministerium koordiniert werden soll.

Bei sächsischen kulinarischen Spezialitäten wurde noch lange an diesem Abend diskutiert, neue Kontakte geknüpft oder alte aufgefrischt. Der gelungene Verlauf des Abends und die Begeisterung der Gäste haben wieder einmal deutlich gezeigt, daß das LSU-Sommerfest sich zurecht als wichtiger und fester Bestandteil im politischen Event-Kalender der Bundeshauptstadt etabliert hat und diese Tradition fortgeführt werden wird.