Der Bundesvorsitzende der Lesben und Schwulen in der Union (LSU), Alexander Vogt, zeigt sich vom beschlossenen JU-Leitantrag „Familienland Deutschland“ enttäuscht: „Das war halbherzig. Die Junge Union hat es versäumt eine moderne und zeitgemäße Familienpolitik zu entwickeln. Ich hätte mir mehr Mut und vor allem Realitätssinn gewünscht. Ein Bekenntnis zu Regenbogenfamilien wäre nicht nur wünschenswert, sondern notwendig und längst überfällig gewesen.“

Im JU-Leitantrag werden zwar nichteheliche Lebensgemeinschaften und Alleinerziehende, nicht aber Regenbogenfamilien (also lesbische oder schwule Lebenspartnerschaften mit Kindern) erwähnt.
„Es ist schon bemerkenswert, dass die Junge Union damit selbst hinter den Positionen der eigenen Bundesfamilienministerin zurückbleibt. Kristina Schröder hatte im Interview mit dem Rheinischen Merkur (7.10.2010) für rechtliche Gleichstellung von Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft plädiert und der Hessische Minister des Innern, Boris Rhein (CDU), hat auf der Bundesmitgliederversammlung der LSU im September in Frankfurt am Main klar festgestellt, dass man schwul oder lesbisch und dennoch konservativ sein könne“, so Vogt.
„Wenn es – ohne jeden Zweifel – einzig und allein um das Wohl des Kindes geht, dann dürfen wir nicht an einem engen und überkommenen Familienbegriff festhalten. Denn auch in Regenbogenfamilien werden positive Werte gelebt und vermittelt, die getragen werden von Liebe, Verantwortung und Zusammenhalt“, so der Bundesvorsitzende abschließend.

Auszüge aus dem JU-Leitantrag:

Die klassische Familie hat jedoch in einer pluralen Gesellschaft keine Monopolstellung mehr. Die Zahl der Eheschließungen ist rückläufig, die der nichtehelichen Lebensgemeinschaften, aber auch die der Alleinerziehenden wächst. Daher bekennen wir uns ebenfalls zur Förderung von Kindern in anderen Formen des familiären Zusammenlebens.
Im Mittelpunkt jeder Familienpolitik muss das Wohl der Kinder stehen.
Eine vollständige Gleichstellung anderer Formen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens gegenüber der Ehe lehnen wir jedoch ab.