„Eine ‚erinnerungspolitische Wende um 180 Grad‘ werden wir niemals zulassen!“

Am heutigen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der gleichzeitig der 72. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz  ist, gedenkt auch der Bundesverband der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) aller Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. „Das ewige Erinnern an millionenfache Verfolgung und Ermordung durch die Nazis ist und bleibt fester Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur“, erklärte der LSU-Bundesvorsitzende Alexander Vogt. „Politischen Forderungen  von rechts-außen nach einer‚ erinnerungs­politischen Wende um 180 Grad‘ erteilen wir eine klare Absage. Die Shoa in ihrer historischen Einzigartigkeit ist tief verankert in der Erinnerung der deutschen Zivilgesellschaft wie auch des deutschen Staates. Daran wird auch kein dahergelaufener Rechtspopulist etwas ändern“, so Vogt.

Gerade am heutigen Tag, an dem der ehemalige Bundespräsident Prof. Dr. Roman Herzog, zu Grabe getragen wird, sei es wichtig in Erinnerung zu rufen, dass es über diesen Teil unserer Erinnerungskultur seit mehreren Jahrzehnten einen breiten gesellschaftlichen Konsens gebe, der von ganz links über die liberale Mitte bis hinein in das gesamte bürgerlich-konservative Lager reicht. Herzog hatte als amtierender Bundespräsident den 27. Januar im Jahr 1996 zum nationalen Gedenktag erhoben. „Seit über 20 Jahren gedenken wir also auch offiziell als Nation dieses dunkelsten Kapitels unserer Geschichte“, hob der LSU-Bundesvorsitzende hervor. Darin eingeschlossen seien alle Opfer des NS-Regimes – gleich ob sie wegen ihres Glaubens, ihrer ethnischen oder kulturellen Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung oder Identität, wegen einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung oder auch aufgrund ihrer politischen Einstellung verfolgt wurden. „Dieses Gedenken stärkt uns auch in unserem Bekennen zum deutschen Staate und erinnert uns daran, dass wir jederzeit gegen Hass und Gewalt öffentlich eintreten müssen“, so Vogt.

Die LSU gedenkt als Interessenvertretung für Lesben und Schwule, bi-, trans- und intersexuelle Menschen ganz besonders der Frauen und Männer, die aus Gründen ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung Opfer der Nazis wurden, verfolgt, gequält und ermordet wurden“, erklärte Alexander Vogt. „Das Ansteigen von Hasskriminalität und politischen Bedrohung durch Rechtsextremisten und Islamisten führen uns vor Augen, dass es auch und gerade in unserer freiheitlichen Demokratie notwendig ist und bleibt, sich gegen Unterdrückung und Verfolgung einzusetzen und die Errungenschaften der westlichen Gesellschaften zu verteidigen.“

Pressemitteilung als PDF: 17-01-27_PI_LSU gedenkt der Opfer der nationalsozialistischenGewaltherrschaft.pdf