Bundesvorsitzender Alexander Vogt: „Bieten der Kanzlerin unsere Mitarbeit an“

 

Alexander Vogt, Bundesvorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) hat den Vorschlag der CDU-Vorsitzenden, Bundeskanzlerin Angela Merkel, begrüßt, sich Zeit zum Nachdenken zu nehmen und zehn Tage Bedenkzeit in der Diskussion um die Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaft zu wahren: „Wir möchten gern zur Entscheidungsfindung der Union beitragen und unseren Standpunkt einbringen. Daher nehmen wir das Angebot der Kanzlerin gerne an, die Bedenkzeit sinnvoll zu nutzen. Wir würden uns über ein Gespräch mit der Vorsitzenden oder eine Einladung zur Diskussion in der Bundestagsfraktion freuen. Wir wollen sachlich und besonnen helfen, um endlich ein Ergebnis zu finden, welches den berechtigten Anliegen homosexueller Menschen in unserem Land gerecht wird.“

Dazu nimmt auch der stellvertretende Bundesvorsitzende, Thomas Mehlkopf, Stellung: „Wir fordern die Union auf, nun endlich ihren Frieden mit der Gleichstellung zu machen!“ Die LSU hatte sich bislang immer sehr besonnen in die vielen Diskussionen innerhalb der Union eingebracht. „Dies wollen wir auch nicht ändern“, so Mehlkopf weiter. Gerade die Diskussion auf dem jüngsten Bundesparteitag der CDU habe gezeigt, dass es auch sachlich und wertschätzend zugehen kann. „Allerdings wird es für uns in der LSU als persönlich Betroffene immer unerträglicher, mit ansehen zu müssen, wie nun in Teilen der Union wieder Ressentiments hervorgeholt werden, die wir eigentlich als Vergangenheit betrachtet haben.“

Lesben und Schwule in der Union kämpfen für die Gleichstellung, weil sie die Ehe für ein erstrebenswertes Lebensmodell halten. Deshalb ist es widersinnig, wenn vereinzelt von der Aushöhlung der Ehe bzw. Nivellierung gesprochen wird. Auch die Verschwörungstheorien, dass nun die bürgerlichen Werte ausgehöhlt werden sollen, sind abstrus. Befürchtete feindliche Übernahmen der Ehe sind nicht möglich, denn wie kein schwuler Mann eine Frau heiraten wird, wird auch kein heterosexueller Mann einen schwulen Mann heiraten wollen.

„Wir sehnen uns nach Anerkennung und Gleichbehandlung. Wir wollen endlich uneingeschränkt so leben, wie es unseren Wertvorstellungen entspricht und wie andere Menschen schon lange frei entscheiden können. Wir wollen auch entscheiden dürfen, wie wir unser Leben gestalten wollen. Dabei übernehmen wir gerne alle Pflichten, verlangen aber auch alle Rechte. Denn eine Privilegierung der heterosexuellen Ehe ist durch nichts gerechtfertigt, so hat es das Bundesverfassungsgericht bereits mehrfach betont.“, so Mehlkopf weiter.

„Wer die Ehe und das Ehegattensplitting auf die Fortpflanzung reduziert, der stößt allen Eheleuten vor den Kopf, die keine Kinder haben“, erklärte Alexander Vogt. Er erinnerte daran, dass das Ehegattensplitting seinerzeit keineswegs geschaffen wurde, um Familien mit Kindern besser zu stellen, sondern um eine Benachteiligung von Ehepaaren gegenüber Unverheirateten in der Steuer aufzuheben. „Wer das Ehegattensplitting nun partout ändern möchte, weil er die eingetragene Partnerschaft steuerlich nicht gleichstellen möchte, der sollte sich im Klaren darüber sein, dass er damit auch viele kinderlose Eheleute verunsichert. Die Forderung, das Ehegattensplitting für Kinderlose abzuschaffen, ist doch viel eher ein Angriff auf den grundgesetzlich verbrieften Schutz der Ehe als die Einbeziehung von Lebenspartnern“, so Vogt.

Die LSU unterstützt eine verstärkte Familienförderung im Sinne von verstärkter Kinderförderung. Dies gilt dann selbstverständlich auch für sogenannte Regenbogenfamilien in gleicher Weise, da dort auch Kinder erzogen werden. „Auch das volle Adoptionsrecht darf nicht länger ein Tabu sein. Wo nach dem Kindeswohl entschieden wird, da sollten alle Konstellationen denkbar sein. Wenn Einzeladoptionen möglich sind, ohne dass Vater und Mutter gemeinsam adoptieren, dann sind Paaradoptionen erst recht wünschenswert und sinnvoll“, betonte der LSU-Vorsitzende. Auf die Liebe der Bezugspersonen komme es an, nicht auf das Geschlecht der Eltern –  so sagen es alle fundierten Studien. Das kürzlich ergangene Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist auch in dieser Frage eindeutig.