LSU-Ehrenpreis für die „Bürgerlichen 13“ – Bundestagspräsidentin a.D. Rita Süssmuth mahnt entschiedenes Eintreten für gesellschaftliche Akzeptanz an

 

Mit einem großen Jubiläumsempfang hat der Bundesverband der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) in dieser Woche in Berlin sein 15-jähriges Bestehen gefeiert. Höhepunkte der Feier waren die Verleihung des LSU-Ehrenpreises an die 13 Abgeordneten von CDU und CSU im Deutschen Bundestag, die im August vergangenen Jahres entschieden für die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften im Steuerrecht eingetreten sind, und die Laudatio auf die Preisträger von Bundestagspräsidentin a.D. Professor Dr. Rita Süssmuth. „In Anerkennung der besonderen Verdienste um Toleranz, Akzeptanz und Aufklärung verleiht die LSU heute den „Wilden 13 CDU/CSU-Bundestagsfraktion“ den Ehrenpreis der LSU“, heißt es in der Preis-Urkunde. „Die „Wilden 13“ haben im Sommer des vergangenen Jahres in einem offenen Brief die steuerliche Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnerschaften mit der Ehe gefordert und damit eine einmalige Diskussion innerhalb von CDU und CSU losgetreten. Als eine Folge davon stellte sich ein CDU-Bundesparteitag zum ersten Mal der Debatte um die Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Dies ist ein Meilenstein im innerparteilichen Willensbildungsprozess gewesen.“

Professor Rita Süssmuth hob das mutige Eintreten innerhalb der der Gleichstellung noch mit großer Mehrheit ablehnend gegenüber stehenden Unionsfraktion als einen Akt der Zivilcourage hervor. Sie mahnte aber – trotz aller Fortschritte in den vergangenen Jahren – ein weiterhin entschiedenes Eintreten für Toleranz und Gleichberechtigung an: „Gerade in unserer Partei muss in der Anerkennung und Akzeptanz anders Denkender und anders Lebender noch viel getan werden.“ Sie kritisierte außerdem die weit verbreitete Verwendung von Schimpfwörtern wie ‚schwule Sau‘: „Solange so etwas in Deutschland noch möglich ist, sind wir längst noch nicht am Ziel.“

Die Bundestagsabgeordneten Dr. Matthias Zimmer und Elisabeth Winkelmeier-Becker bedankten sich stellvertretend für alle 13 Preisträger für ihre Würdigung durch den LSU-Ehrenpreis und betonten: „Wir haben uns für eine Selbstverständlichkeit eingesetzt: Mehr Toleranz in der Gesellschaft!“ Die rechtliche Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften sei aber in erster Linie eine Frage des Grundsatzes „Gleiche Rechte – gleiche Pflichten“. Zimmer und Winkelmeier-Becker hoben außerdem hervor, dass sich die Gruppe weniger als „wild“ verstehe, sondern vielmehr als zutiefst bürgerlich – gerade zu dieser Haltung gehöre auch das Eintreten für gleiche, bürgerliche Rechte. Das mit der Ehrung verbundene Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro spendeten die Bundestagsabgeordneten dem schwulen Anti-Gewalt-Projekt Maneo in Berlin.

Der LSU-Bundesvorsitzende Alexander Vogt erinnerte in seiner Rede an die Geburtsstunde der LSU vor 15 Jahren und würdigte die Mitglieder der ersten Stunde: „Ich möchte heute den Mutigen danken, die sich zu einer Zeit zusammengesetzt haben, als es in unserer Partei nicht nur schwer, sondern für jemanden im aktiven Politikbetrieb unmöglich war, sich zu seiner Sexualität zu bekennen. Ihr habt den ersten Schritt getan und damit vielen – auch mir – gezeigt, dass schwul und konservativ kein Gegensatz ist und dass wir uns innerhalb unserer Partei nicht verstecken müssen.“

Auch US-Botschafter Philip D. Murphy würdigte in seiner Video-Grußbotschaft das Eintreten für Gleichberechtigung und Toleranz und stellte die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben in einen Zusammenhang mit den Menschenrechten. Und auch Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder, die persönlich nicht am Jubiläumsempfang teilnehmen konnte, ließ ihre Grüße und guten Wünsche übermitteln.

Der Jubiläumsempfang war bewusst auf den Vorabend des Internationalen Tags gegen Homophobie – Idaho-Day – gelegt worden. Mehr als 120 Gäste aus Politik, Medien und Gesellschaft nahmen an der Veranstaltung teil.