Alexander Vogt: Nur die rechtliche Gleichstellung und das Kindeswohl können
zukünftig Grundlage für Adoptionsrecht sein

Alexander Vogt, Bundesvorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union
(LSU), hat die jüngsten Äußerungen des CDU-Spitzenkandidaten für die
Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016 scharf kritisiert: Mit seiner Aussage
in einem Interviw mit dem Mannheimer Morgen, ein Adoptionsrecht für
gleichgeschlechtliche Paare widerspreche dem Schöpfungsplan, zeige Wolf nicht
nur, wie weit entfernt von der gesellschaftlichen Mehrheit er argumentiere.
„Guido Wolf gefährdet damit auch einen Wahlerfolg der CDU in der politischen
Mitte“, so Vogt. Umfragen zeigten immer wieder, dass sich eine breite Mehrheit
der Bevölkerung für die Möglichkeit der gemeinschaftlichen Adoption für
schwule und lesbische Lebenspartner ausspreche. „Im Übrigen besteht bereits
heute sowohl die Möglichkeit der Adoption für Einzelpersonen als auch für
gleichgeschlechtliche Paare in Form der Stiefkind- und Sukzessivadoption“,
erklärte der LSU-Bundesvorsitzende.

Folge man hingegen der Logik der Schöpfungsidee, müsse man zum einen
akzeptieren, dass der Schöpfer auch Schwule und Lesben geschaffen habe, auf
der anderen Seite müssten heterosexuelle Paare aber auch akzeptieren, dass der
Schöpfer ihnen vielleicht keine Kinder zugedacht habe. „Diese Argumentation
ist also weder logisch konsistent noch gesellschaftlich und menschlich
angemessen. Sie kann daher keine Grundlage für politische Entscheidungen und
allgemeingültige Rechtsvorgaben sein“, so Alexander Vogt. „Angemessen ist
daher zunächst eine für alle Menschen gleiche und gleichberechtigte
Möglichkeit der Adoption und zum anderen eine strikte Orientierung am
Kindeswohl – unabhängig von der geschlechtlichen Orientierung der
(potenziellen) Eltern. Nur diese Kombination aus rechtlicher Gleichstellung
und Kindeswohl kann zukünftig Grundlage für Adoptionsrecht sein.“

„Wenn CDU-Politiker heute noch glauben durch die Bedienung ewiggestriger
Meinungen Wahlen gewinnen zu können, haben sie leider nicht erkannt, wie weit
sich die Gesellschaft mehrheitlich bereits von solchen Positionen entfernt
hat. Stimmen, die die CDU damit am rechten Rand gewinnt, verliert sie doppelt
und dreifach in der politischen Mitte“, so Vogt.