Mit Ole von Beust tritt der einzige bekennende schwule CDU-Spitzenpolitiker zurück. Der Bundesvorsitzende der Lesben und Schwulen in der Union (LSU), Reinhard Thole, geht aber davon aus, dass es noch mehr homosexuelle CDUler in hohen Ämtern gib

FOCUS Online:

Herr Thole, bedauern Sie den Rückzug von Ole von Beust?

Reinhard Thole:

Natürlich, auf alle Fälle. Für uns ist er eine besondere Integrationsfigur gewesen. Es ist schade, dass wir einen so wichtigen Mitstreiter in der aktiven Politik verlieren, auch wenn er offiziell nicht Mitglied in der LSU ist. Er war aber letztes Jahr Ehrengast auf unserer Bundesmitgliederversammlung.

FOCUS Online:

Beust war der einzige CDU-Politiker in einem Spitzenamt, dessen Homosexualität bekannt war. Gibt es mehr, die sich nicht dazu bekennen?

Thole:

Ich gehe davon aus. Wir wissen, dass es in der Union diverse Lesben und Schwule in höheren Ämtern gibt. Aber wir halten nichts von Zwangsouting.

FOCUS Online:

Finden Sie es schade, dass Beust sich nie großartig geoutet hat, sondern seine Homosexualität eher zufällig durch ein Interview seines Vaters bekannt wurde?

Thole:

Das sind einfach die Lebensumstände. Irgendwie, irgendwo wird es bekannt. Gerade aufgrund seines nicht offensiven Auftretens ist er ein stiller Mitstreiter geworden, der uns genauso geholfen hat wie es Klaus Wowereit in anderer Weise getan hat.

FOCUS Online:

Glauben Sie, dass Beust nach seinem Rücktritt offensiver mit seinem Privatleben umgeht als er es bisher getan hat?

Thole:

Er ist immer jemand gewesen, der sich oft und gerne ins Privatleben zurückgezogen hat. Ich denke, er wird das künftig noch mehr tun. Vielleicht werden wir in seinem wohlverdienten Ruhestand gar nichts mehr von ihm hören. Aber das ist absolut in Ordnung.

FOCUS Online:

Ist es in der CDU schwieriger, homosexuell zu sein als in anderen Parteien?

Thole:

Nein. Es gibt in der Partei bürgerliche Kräfte, die mit dem Thema wenig anfangen können, daher leben bei uns weniger Schwule und Lesben ihre Homosexualität offen. Aber wir werden in der Partei genauso behandelt wie andere Gruppierungen. Wir haben mit knapp 350 Mitgliedern ein großes Netzwerk und gute Kontakte ins Konrad-Adenauer-Haus. Mit Frau Merkel gab es vor über zehn Jahren ein Treffen bei der Gründung der LSU, da war sie noch Generalsekretärin.

FOCUS Online:

Wünschen Sie sich ein homosexuelles Aushängeschild in der CDU?

Thole:

Nein, meines Erachtens ist das nicht nötig. Wichtig ist, dass es jemanden gibt, der sich zuständig fühlt für unser Anliegen. Daran hapert es manchmal.

FOCUS Online:

Finden Sie, dass schwule Politiker sich prinzipiell outen sollten wie Wowereit oder können Sie eine Zurückhaltung wie bei Beust nachvollziehen?

Thole:

Ich kann die Zurückhaltung sehr gut verstehen, weil oft Politiker sehr stark auf dieses Thema reduziert werden und es dann schwerer haben mit anderen Sachthemen.

FOCUS Online:

Wir haben einen schwulen Außenminister, glauben Sie, dass wir eines Tages auch einen schwulen Bundeskanzler haben werden?

Thole:

Gerne. Aber im Moment sehe ich da niemanden, der in Frage käme.

Quelle: http://www.focus.de/politik/deutschland/lesben-und-schwulen-union-beust-war-integrationsfigur_aid_531647.html